Beitragsreihe: Warum sich Montessori Pädagogik wunderbar in der TGI (Tiergestützten Intervention) eignet… Teil 1

Beitragsreihe: Warum sich Montessori Pädagogik wunderbar in der TGI (Tiergestützten Intervention) eignet… Teil 1

Es kursiert aktuell ein Beitrag einer Reitpädagogin, in dem belegt werden soll, dass sich die Montessori Pädagogik nicht gut für den Einsatz im tiergestützten Bereich (speziell der Reitpädagogik) eignet. Wir möchten wir euch anhand unserer langjährigen Praxiserfahrung und Ausbildungen im Montessori Bereich das Gegenteil aufzeigen.

„Das Kind besitzt einen inneren Bauplan seiner Entwicklung.“¹

Zwei Beispiele für euch.

➡️Ein 4-jähriges Mädchen kann mir aufzählen, wie das Putzzeug heißt, wo der Unterschied zwischen Blesse und Stern ist und schafft es 15 Minuten am Stück konzentriert die Zügel festzuhalten.

➡️Ein 13-jähriger Junge, Überflieger in der Schule und im Sport, kann nach 4 Jahren weder die Zügel „richtig“ halten, noch das Putzzeug benennen, obwohl er jede Woche zu uns kommt.

Ist ein Ergebnis besser oder schlechter? Nein, es ist einfach nur anders. Weil der Fokus anders gelegt ist. Ein Kind sucht die Herausforderung für sich selbst, das andere sucht Entspannung, weil die Herausforderung in einem anderen Lebensbereich genug gegeben ist.

Wir haben bei uns auf dem Hof keinen Lernzwang. Jede/r darf bei uns so viel und in dem Bereich lernen, wie er/sie möchte. Jede/r bestimmt den inneren Bauplan seiner Entwicklung.

➡️Was bedeutet das für uns als Pädagog*innen?

Wir geben ein Maß an Struktur vor. Wir beobachten und stellen Fragen. Wir bieten verschiedene Möglichkeiten an. Auch nach Jahren fragen wir jede Stunde erneut: Möchtest du die Zügel selbst nehmen oder geführt werden? Möchtest du im Schritt gehen oder mal einen Trab versuchen? Vielleicht kommt irgendwann der Punkt, an dem er sich umentscheidet. Vielleicht kommt der Punkt nie. Und beides ist genau richtig so!

„Beobachtet man die Kinder in Freiheit, so zeigt sich, dass sie jene Tätigkeiten wählen, die ihrer Entwicklung dienen.“²

Wir als Pädagog*innen sind nicht in der Position zu entscheiden, wann die Entwicklung in einer Tätigkeit abgeschlossen ist. Wir sind nur die Begleiter. Ein 6 jähriges Mädchen möchte 10 Wochen am Stück in ihrer Einheit das gleiche Spiel spielen. Wir bieten ihr jedes Mal die Wahl. Sie entscheidet sich immer gleich ➡️ ihre Entwicklung mit dem Material ist noch nicht abgeschlossen. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem das Material nicht mehr interessant ist. Wir versuchen die Kinder nicht künstlich zu beeinflussen.

Wir hoffen der kleine Einblick in unsere Arbeitsweise hat euch gefallen. Bald geht es weiter mit Teil 2.

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¹ Montessori, Maria (1987): Das absorbierende Kind. Freiburg im Breisgau: Herder Verlag.

² Montessori, Maria (1985): Das Geheimnis der Kindheit. Freiburg im Breisgau: Herder Verlag.

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